Bunte Brachen

Von malerischer Schönheit und unendlichem Nutzen: die Buntbrache

Thema dieser Seite sind Brachen und deren grosse Bedeutung für die Bodenruhe, die Nützlingsförderung und den Schutz vor Umweltrisiken. Wie sie das Landschaftsbild bereichern und Lebensraum bieten für eine Vielzahl, auch selten gewordener, Tiere und Pflanzen. Und wie sie damit zur Sicherung der Biodiversität in der Agrarlandschaft beitragen und ein leistungsstarkes Instrument darstellen, um die Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft zu verbessern.

Hier kann nicht mehr viel gedeihen: ein verschlammter, verdichteter, schwer bearbeitbarer Boden mit ausgewaschenem Humusgehalt

Um unsere Böden ist es nicht gut bestellt. Durch den immer grösser werdenden Produktivitätsdruck werden sie ausgelaugt, bis eines Tages gar nichts mehr wächst. Moderne Bearbeitungstechniken beeinflussen zudem das Bodenleben und dessen Struktur. Der Anbau von Monokulturen schädigt die Bodenökologie. Unabhängig vom Produktivitätsgrad und der Intensität der Bearbeitung, bleibt der Boden die Grundlage der landwirtschaftlichen Nutzung. Eine elementare Abhängigkeit, welche Agrarbetriebe gleichermassen wie die gesamte Volkswirtschaft und jeden einzelnen von uns betrifft.

Ein gesunder Boden ist die Grundlage landwirtschaftlicher Nutzung und damit auch unserer Nahrung

Grundlage einer ertragreichen und pflegeleichten Bewirtschaftung ist ein gesunder, fruchtbarer Boden mit einem intakten, vielfältigen Bodenleben. Die Parameter, welche die Bodengesundheit bestimmen sind physikalische Gesundheit (leicht zu bearbeiten, nicht schlammig, nicht verdichtet, optimale Grösse und Verteilung der Poren, grosse Zahl an Regenwurmgängen, optimaler Humusgehalt), die chemische Gesundheit (optimaler pH-Wert, optimale Werte an Mengen- und Spurenelementen, keine toxischen Rückstände, keine Herbizidrückstände) und die biologische Gesundheit (keine Pflanzenkrankheiten und –schädlinge, gutes Immunsystem durch hohe biologische Aktivität, hohe Anzahl an Regenwürmern und deren Aktivitäten).

Nach der Winterruhe begrüsst uns die Brache mit Gräsern, Klee, Ampfer, Hahnenfuss und Wegerich

Ein nachhaltiger Umgang mit dieser unendlich wertvollen Ressource ist unabdinglich. Denn nur ein gesunder Boden nährt uns. Auch wir brauchen ab und zu Erholung, um uns zu regenerieren. Warum gestatten wir dies unseren Anbauflächen nicht auch?

Die Buntbrache im Juni: viel Grün, Mohn- und Kornblumen sind die markantesten Vertreter

Neben dem Leistungsdruck, welchem unsere Wirtschaftsflächen standhalten müssen, werden Landwirte, welche sinnvollerweise eine Bodenruhe einhalten, nicht selten als faul stigmatisiert („der lässt einfach seinen Acker liegen…“). Die unaufgeklärte Bevölkerung weiss oft nicht um die Mühen bei der Vorbereitung, Aussaat, Pflege und letztendlich bei der Rückführung der Brache in die geplante Fruchtfolge. Ein grosser Teil der Menschheit in unseren Breitengraden hat sich sehr von der Herkunft ihrer Lebensmittel entfremdet.

Eine Stoppelbrache: nach der Ernte wird der Acker unbearbeitet liegengelassen und die Ausfallsamen können unter der Strohschicht gut keimen

Den ökologischen Nutzen brachliegender Flächen kann man gar nicht genug betonen. Unterschieden wird zwischen zwei Arten begrünter Brachen: der maximal achtjährigen Buntbrache und der Rotationsbrache. Letztere wird nach 2-3 Jahren aufgehoben und wieder mit Getreide oder Ackerfrucht bewirtschaftet. Daneben existieren auch noch die Stoppelbrache (der Acker wird nach der Ernte unbearbeitet liegen gelassen) und die Schwarzbrache (Stoppelbearbeitung mit möglicherweise weiteren Bearbeitungsschritten ohne Pflanzenbewuchs).

Wilde Möhre und Luzerne dominieren die Buntbrache im August

Buntbrachen sind Flächen, die der Landwirt aktuell nicht im produktiven Sinne nutzt. Es sind ungestörte, wertvolle ökologische Ausgleichsflächen, die intensiv genutztes Ackerland aufwerten und vernetzen. Eine Brache schont den Boden, verbessert dessen Struktur und reduziert Bodenerosion und Nährstoffauswaschung. Dies bedeutet Erholung für den Boden und auch die „Öffentliche Hand“ hat die Wichtigkeit und den Sinn dieser Massnahme inzwischen erkannt und subventioniert brachliegendes Land, sofern die Kriterien betreffend Standort, Ansaat, Verzicht auf Düngung und Pflanzenschutzmittel, Pflege und Verpflichtungsdauer eingehalten werden.

Die Oktoberbrache: auch fast verblüht wirken die Königskerzen noch majestätisch

In Buntbrachen blühen schon im ersten Jahr bunte Wildpflanzen wie Mohn, Kornblume, Kornrade, Venusspiegel, Rittersporn oder Ackerhahnenfuss. Ab dem zweiten Jahr gedeihen dann auch Königskerze, wilde Möhre, Pastinake und viele andere Wildkräuter. Diese Pflanzenvielfalt zieht unzählige Insekten und andere Tiere an. Viele Kleintiere finden in Buntbrachen einen ungestörten Unterschlupf und die nektarhaltigen Blüten vieler Leguminosen offerieren eine willkommene Nahrungsquelle. Die trockenen Stängel dienen vielen Insekten als sicheres Winterquartier und bieten Bodenbrütern wie der Feldlerche, der Wachtel, dem Rebhuhn, dem Schwarzkehlchen sowie dem Feldhasen ein optimales Bruthabitat.

Eine unverzichtbare Brachenleguminose: Rotklee als Zeigerpflanze für Bodenlebendigkeit

Die Auswahl geeigneter Pflanzenarten orientiert sich an den jeweiligen Bedürfnissen der Böden und den daraus abzuleitenden Zielen, nach der Wirtschaftsweise (ökologisch oder konventionell) sowie nach verfügbarer Wachstumszeit und dem Wasserangebot. Fertig zusammengemischte Saatenmischungen für die jeweiligen Erfordernisse gibt es im Landhandel zu kaufen.

Die Eigenschaften der geeigneten Brachenpflanzen sind:

-ein tiefgehendes und stark ausgedehntes Wurzelsystem                                                      -gute, dichte und rasche Beschattung des Bodens                                                         -Erzeugung grosser Mengen pflanzlicher Substanz                                                                   -das Vermögen, Stickstoff zu sammeln                                                                                     -gutes Aneignungsvermögen für Bodennährstoffe                                        -Schnellwüchsigkeit                                                                                                                  -geringer Preis für das Saatgut

Wegwarten und ein Meer von Margeriten prägen das Bild der Buntbrache im Oktober

Aufgabe der Pflanzen ist es, Humus zu liefern, um Tiefenlockerung bemüht zu sein und Bodennahrung umzusetzen. Unterschieden wird unter den Brachenpflanzen zwischen Generalisten mit gleich mehreren positiven Wirkungen auf den Boden und Spezialisten mit eingeschränktem, aber sehr spezifischem Wirkspektrum.

Im Dezember: verholzte Pflanzen und eine immense mikrobielle Aktivität im Boden

Mit zunehmendem Alter der Brache sieht man vermehrt Pflanzen, die sich von der natürlichen Umgebung her auf der Brache ausbreiten. Im Falle der von mir dokumentierten Brache ist dies die Vegetation vom anliegenden Waldrand und vom Saatgrasland einer bewirtschafteten Heuwiese. Eine vollständige Rückentwicklung hin zu einem Waldgebiet hingegen würde einige Jahrzehnte in Anspruch nehmen. Die anfängliche Ansaat von Menschenhand wird bei mehrjährigen Buntbrachen von einer Selbstbegrünung abgelöst. Auch diese unterschiedlich entwickelten Pflanzenbestände bieten vielen Vogelarten, Kleinsäugern, Amphibien, Reptilien und Insekten ganzjährig ungestörte Nahrungs-, Fortpflanzungs- und Rückzugslebensräume. Je länger eine Brache bestehen bleibt, desto mehr kann sich eine stabile, langlebige Population von Nützlingen aufbauen. Durch die Erhöhung der Artenvielfalt an Wildinsekten leisten mehrjährige Brachen zudem einen wertvollen Beitrag zur Sicherung der Blütenbestäubung.

Die Vegetation einer mehrjährigen Brache gleicht sich immer mehr dem natürlichen Umland an

Buntbrachen sind nicht nur unverzichtbare ökologische Ausgleichsflächen sondern auch wichtige Sympathieträger für die Landwirte. Die einzigartige Blütenpracht und das emsige Leben der Insekten, Vögel und Kleintiere lassen das Herz eines jeden Naturliebhabers höher schlagen!

Eine Buntbrache ist ein ökologisches Paradies, welches unzähligen Insekten, Kleintieren und bodenbrütenden Vögeln Nahrung und Unterschlupf bietet

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