Herbst im Flachmoor

Was ist eigentlich ein Flachmoor? Ich wollte mehr darüber wissen und habe bei schönstem Herbstwetter die vom WWF ausgezeichnete renaturierte Industriebrache in Pfäffikon am Zürichsee besucht. Flachmoore entstehen im Verlandungsbereich von Seen, sowie an Hängen oder in  Geländesenken mit wasserdurchlässigem Untergrund. Flachmoore stehen folglich immer in Kontakt mit dem Grundwasser. Natürlicherweise sind Moore grösstenteils mit Gehölzen überwachsen. In den vernässten Böden ist der Abbau von abgestorbenen Pflanzen gehemmt. Sie werden in Form von dicken und äusserst hochwertigen Torfschichten abgelagert.

Die Bewohner der Flachmoore müssen sich mit extrem kargen Bedingungen zurechtfinden. Der Boden ist fast ständig bis zur Oberfläche mit Wasser getränkt. Im Bereich der Wurzeln herrscht grosse Sauerstoffarmut und die Nährstoffe sind begrenzt. Nur spezialisierte Pflanzenarten können unter diesen Bedingungen überhaupt gedeihen.

Flachmoore bestehen oft aus einer grossen Vielfalt an unterschiedlichen Pflanzengesellschaften. Sie widerspiegeln die kleinräumig wechselnden Standortverhältnisse wie Verlandungszonen, wechselfeuchte Nordhänge, staunasse Mulden oder Überflutungsbereiche und können individuelle Vegetations-Mosaike bilden.

Verschiedene spezialisierte Tierarten finden nur in Flachmooren ihnen zusagende Lebensbedingungen. Einige Insektenarten benötigen zur Ablage ihrer Eier ganz bestimmte Pflanzen, die sie nur in einer Riedlandschaft finden. Die häufig vorhandenen Tümpel und Wassergräben bilden den Lebensraum für zahlreiche Wasservögel sowie verschiedene Amphibien- und Libellenarten. Diverse Käfer- und Heuschreckenarten halten sich ausschliesslich auf dem stets feuchten Riedboden auf und viele nektarsuchende Insekten sind auf das sommerliche Blütenangebot angewiesen.

Der Weg zum Moor führt an der Schlossanlage Pfäffikon vorbei. Der aufwändig restaurierte Schlossturm ist vollständig von einem Graben umgeben und steht heute der Öffentlichkeit als kulturelles Zentrum zur Verfügung.

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4 Kommentare zu Herbst im Flachmoor

  1. Almuth sagt:

    Liebe Arletta, vielen Dank für diesen wertvollen Beitrag. Moore sind faszinierend ! Leider sind so viele Gebiete verschwunden (große Gebiete Norddeutschlands waren mal Moor) und wenn man bedenkt, wie lange sie brauchen, um zu entstehen, ist das irgendwie schockierend. Den Ausdruck Flachmoor kannte ich noch nicht. Spannend, welche Pflanzen und Tiere überhaupt in diesem Spektrum leben können. Deine Bilder sind ganz wunderbar. Das erste zeigt ganz zauberhaft den beginnenden Herbst. Der Turm des Schlosses ist beeindruckend. Wow ! Toll, daß er noch genutzt wird. Liebe Grüße und eine gute Woche, Almuth

  2. Arletta sagt:

    Vielen herzlichen Dank, liebe Almuth! Auch hierzulande wurden viele Moore trockengelegt und zu einem grossen ökologischen Problem wurde auch der Abbau des wertvollen Torfes. Ja… heute ist man doch schlauer und repariert und renaturiert, soweit überhaupt noch möglich. Moore sind wirklich faszinierend und ökologisch so immens wichtig, viele Lebewesen sind auf sie angewiesen. Was mich freut, in Pfäffikon gibt es eine noch viel grössere Industriebrache, gebaut ebenfalls auf einem dieser Moore. Geplant gewesen wäre nun, dass das Gebiet neu überbaut wird und Wohnraum entsteht. Nix da. Nun wurde entschieden, dass dies ebenfalls ein Naturschutzgebiet wird, man wird also renaturieren. Toll! Ganz liebe Grüsse zu Dir und ebenfalls eine gute Woche, Arletta

  3. Almuth sagt:

    Das sind ja erfreuliche Neuigkeiten. Juhu. Endlich mal für die Brachen und den Naturschutz. Das brauchen wir so dringend. Land und Erde erhalten und nicht alles zubetonieren und versiegeln. Kostbarer Boden der sonst verloren geht. Das freut mich sehr. Mit hoffnungsvollen Grüßen von hier, Almuth

    • Arletta sagt:

      Ja, das hat mich ehrlich gesagt auch sehr überrascht, dass der Naturschutz mal gewinnt gegen die Zupflasterei überall. Ich bin gespannt, wie die Industriebrache nach der Renaturierung aussehen wird 🙂 und werde hier sicher darüber berichten 🙂 Mit lieben Grüssen zu Dir, Arletta

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