In fünf Schritten zum Freiluftmenschen

Die Wintermonate. Zeit, um sich in den eigenen vier Wänden einzuigeln, die Schotten dichtzumachen, die Vorhänge zuzuziehen und genug Kerzen einzukaufen, so dass der Vorrat bis mindestens nächsten März reicht. Wenn der Wind um’s Haus pfeift, es dazu schüttet wie aus Kübeln und uns nur schon der Gedanke an die Aussentemperatur mit den Zähnen klappern lässt, wem kann man es da schon verdenken, wenn sie/er es sich in warme Decken gehüllt vor dem heimischen Fernseher gemütlich macht? Dazu ist doch der Winter da, nicht? Da hätten wir doch dieses hygge, von dem (fast) sämtliche Bloggger unter der Sonne im vergangenen Jahr mit ungebrochener Begeisterung geschrieben haben, oder habe ich da etwas nicht richtig verstanden?

Naja. Ich persönlich fand diesen Rückzug in den Wintermonaten halt schon immer eher seltsam. Ich mag die kältere Jahreszeit genauso wie ich das Sommerhalbjahr mag. Hauptsache draussen sein. Denn frische Luft kann wahre Wunder bewirken. Und was die Wetterverhältnisse anbelangt: darauf stelle ich mich eigentlich ganz gerne ein.

In Skandinavien sind die Winter länger, kälter, schneereicher. Und trotzdem wird ein Outdoor-Leben gepflegt, wann immer es geht. Friluftsliv heisst dieses norwegische Konzept. Wörtlich übersetzt: Freiluftleben. Aber eigentlich ist es eines dieser gar nicht übersetzbaren Wörter, denn friluftsliv bedeutet viel, viel mehr als bloss Freiluftleben. Vielmehr umschreibt es ein skandinavisches Kulturgut, das von Kindsbeinen an gepflegt wird. Draussen zu sein, ob alleine oder mit Familie und Freunden, wird regelrecht zelebriert. Dabei ist es vollkommen egal, welche Wetterbedingungen gerade vorherrschen und ob man sich gerade mitten im strengsten Winter befindet: man ist draussen zuhause.

Was soll nun so grandios sein an friluftsliv, was bewirkt das denn in uns? Nun ja, da hätten wir mal die Stressreduktion. Der Kopf wird frei, was gleichzeitig unser kreatives Denken ankurbelt. Das Immunsystem hat was zu tun. Und draussen sein, das macht einfach glücklich. Um nur einige wenige Beispiele zu nennen.

Wir müssen nicht unbedingt in Norwegen leben, um ein Outdoor-Leben in vollen Zügen zu geniessen. Ich lebe in der Schweiz und die Distanzen zum nächsten ruhigen See, zu einem lieblichen Hügel oder imposanten Berg, einem friedlich dahinplätschernden Bach, einem tosenden Fluss oder gar einer geheimnisvollen Moorlandschaft sind in alle Richtungen durchaus überschaubar. Und schöne Wälder haben wir zum Glück überall.

Wie können wir das Konzept friluftsliv in unser Leben integrieren?

Erstens: Laufen statt fahren, wann immer möglich. Im Alltag und in der Freizeit. Ob man den Weg durch den Park zum nächsten Meeting wählt, gemütlich durch den Wald schlendert oder einen Berg erklimmt, laufen ist immer Balsam für den Körper, den Geist und die Seele.

Zweitens: In geeignete Kleidung zu investieren lohnt sich. Warm, funktionell, wasserdicht und gleichzeitig stylish müssen sich nämlich gegenseitig nicht ausschliessen. Ohne gute Outdoor-Bekleidung wird dieses Draussen-Zuhause-Konzept nie wirklich komfortabel funktionieren.

Drittens: Gleichgesinnte finden. Manchmal sind wir uns selber genug, an manchen Tagen macht es aber mehr Spass, jemanden für die Entdeckungstour durch’s Flachmoor oder auf der Suche nach einem spektakulären Wasserfall dabeizuhaben.

Viertens: Outdoor-Hobbies gibt es schon schier unzählige, vom Fotografieren über das Sammeln von Wildkräutern bis hin zum Ausritt auf dem Pferderücken…

Fünftens: Noch kein Vorsatz für 2018? Mehr friluftsliv wäre doch einer! Gibt es einen einzigen Grund, warum wir unsere spektakulären Landschaften nicht geniessen sollten?

Meine liebsten Pläne haben immer in irgendwelcher Form mit einem Aufenthalt draussen zu tun. Einerseits weil ich gerne in der Natur fotografiere, andererseits aber auch, weil mir frische Luft unglaublich wichtig ist. Wenn ich zu lange drinnen sein muss, werde ich unruhig, unkonzentriert und gereizt. Das müssen norwegische Schwingungen sein! 🙂

„I filled my lungs with cold air, got my boots a little muddy and stuck my hand into the freezing water for a rock. I inhaled the forest air and exhaled relief.“

(Lyrics by Arletta ©2017)
                                     
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2 Kommentare zu In fünf Schritten zum Freiluftmenschen

  1. Almuth sagt:

    Liebe Arletta, du hast ja sooo Recht :-), auch wenn ich mich an manchen Tagen definitiv nicht überwinden kann, rauszugehen. Und deine Bilder sind so toll. Das Erste und das Letzte gefallen mir besonders gut !!! Ebenso deine Zeilen. Schön ! Ich beneide dich um deine Einstellung ! Es gibt immer mal Momente oder Tage, wo ich mich überwinde und es auch ganz schön finde. Aber leider klappt das bei mir nicht immer. Sonntag abend, beim wilden Schneegestöber ,war ich unterwegs und es war wundervoll. Zauberhaft die verschneiten Elemente um mich herum. Leider hab ich keine wasserfeste Kamera, Motive hätte es endlos gegeben. Nur kaltes Regenwetter ist für mich echt ne Quälerei. Das könnte aber, wie du ganz richtig anmerkst, an der Kleidung liegen. Ist man gut eingepackt, macht das nichts. Da könnte ich noch investieren. Vielleicht muß es gar nicht mal für lange sein, das Rausgehen…das muß ich mal üben 😉 Danke jedenfalls für den guten und anregenden Artikel !! Liebe Grüße von drinnen, Almuth

    • Arletta sagt:

      Liebe Almuth

      Herzlichen Dank für das Riesenkompliment 🙂 es freut mich sehr, dass Dir mein Beitrag so gefällt 🙂 Eine wasserfeste Kamera, da sagst Du was… ich habe da auch schon öfters bereut, keine solche zu haben. Obschon es mich bei jeder Witterung rauszieht; wenn es nicht möglich ist zu fotografieren, dann finde ich das immer leicht frustrierend. Starker Wind ist auch so eine Sache… Liebe Grüsse von – im Moment auch – drinnen 🙂 Arletta

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