Mein Herzensthema: Brachen

Hier gedeiht nicht mehr viel: ein verschlammter, verdichteter, schwer bearbeitbarer Boden mit ausgewaschenem Humusgehalt

Um unsere Böden ist es nicht gut bestellt. Durch den immer höher werdenden Produktivitätsdruck werden sie ausgelaugt, bis eines Tages gar nichts mehr wächst. Moderne Bearbeitungstechniken beeinflussen zudem das Bodenleben und dessen Struktur. Der Anbau von Monokulturen schädigt die Bodenökologie. Unabhängig vom Produktivitätsgrad und der Intensität der Bearbeitung, bleibt der Boden die Grundlage der landwirtschaftlichen Nutzung. Eine elementare Abhängigkeit, welche Agrarbetriebe gleichermassen wie die gesamte Volkswirtschaft und jeden einzelnen von uns betrifft.

Ein nachhaltiger Umgang mit dieser unendlich wertvollen Ressource ist unabdinglich. Denn nur ein gesunder Boden nährt uns. Auch wir brauchen ab und zu Erholung, um uns zu regenerieren. Warum gestatten wir dies unseren Anbauflächen nicht auch?

Mein „Herzensthema“ für die kommende Vegetationszeit sind Brachen und deren grosse Bedeutung für die Bodenruhe, die Nützlingsförderung und den Schutz vor Umweltrisiken. Wie sie das Landschaftsbild bereichern und Lebensraum bieten für eine Vielzahl, auch selten gewordener, Tiere und Pflanzen. Und wie sie damit zur Sicherung der Biodiversität in der Agrarlandschaft beitragen und ein leistungsstarkes Instrument darstellen, um die Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft zu verbessern.

Eine Stoppelbrache: nach der Ernte wird der Acker unbearbeitet liegengelassen und die Ausfallsamen können unter der Strohschicht gut keimen

Landwirte, welche eine Bodenruhe einhalten, werden nicht selten als faul stigmatisiert („der lässt einfach seinen Acker liegen…“). Die unaufgeklärte Bevölkerung weiss oft nicht um die Mühen bei der Vorbereitung, Aussaat, Pflege und letztendlich bei der Rückführung der Brache in die Fruchtfolge. Ein grosser Teil der Menschheit in unseren Breitengraden hat sich sehr von der Herkunft ihrer Nahrungsmittel entfremdet.

Ich habe Literatur zum Brachenmanagement zusammengesucht. Werde unterschiedliche Bepflanzungsmöglichkeiten im Rahmen eines Forschungsprojekts fotografisch dokumentieren. Geplant ist auch ein Interview mit einem Landwirt. Mein persönliches Anliegen ist es, Menschen für das Thema rund um die Bodenruhe zu sensibilisieren. Brachliegende Böden werden deshalb auch in der kommenden Vegetationszeit öfters mal Inhalt von Beiträgen hier auf meinem Blog sein.

Eine mehrjährige Grünbrache in der dritten Blühphase: hier wurden gezielt Zwischenfrüchte zur Gründüngung angebaut

 

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4 Kommentare zu Mein Herzensthema: Brachen

  1. Almuth sagt:

    Liebe Arletta, ich kann sehr gut nachvollziehen, daß dir das Thema am Herzen liegt. Ein toller Beitrag und ich bin gespannt auf deine weiteren Beiträge zu dem Thema ! Ja, leider hat der Großteil der Menschen den Bezug dazu verloren. Aber auch mir ist vieles unbekannt. Als Stadtmensch hat man von sowas keine Ahnung. Mir liegen die Stadtbrachen am Herzen, weil ich sie als Nischen für unsere Insekten sehe. Da in vielen Gärten grüne Wüsten vorherrschend sind, empfinde ich die Brachen als wohltuenden Ausgleich. Dank des derzeiten Baubooms werden diese Brachen jetzt vermutlich alle verschwinden. 5 oder 6 Brachen, die ich kannte, wurden bereits oder werden gerade bebaut. Das tut mir im Herzen weh, weil wie gesagt, es wichtige Lebensräume waren. Auf einer Brache wuchs ein ganzes Meer von Königskerzen, woanders Kamille und Schafgarbe. Zudem sind diese grünen Räume in einer Stadt doch auch wichtige Flächen. Die Klimaerwärmung wird unsere Städte noch wärmer machen. Gut, wenn dann alles noch mehr verdichtet wird und sich durch die Bebauung noch mehr aufheizen kann…..Manchmal denke ich, ein Glück, daß in früheren Zeiten so viele Parks angelegt wurden. Heute plant man so etwas nicht mehr ein, weil es wertvolles Bauland ist.
    Um noch mal auf dein ! Thema zurückzukommen (sorry, bin abgeschweift ;-), wie traurig es ist, daß der Boden so ausgebeutet wird. Wie du sagst, wir brauchen auch Regenerationszeit ! Aber beim heutigen Produktivitätskampf wird alles herausgeholt, was nur geht, bis nichts mehr zu holen ist. Tragisch. Das finde ich auch so furchtbar heute, daß man immer wieder das Gefühl bekommt, alles wird nur dem Gewinn untergeordnet. Die Fischer beklagen sich, wenn sie bestimmte Fische nicht fangen dürfen oder die Fangquoten reduziert werden. Würde das nicht passieren, gäbs so manchen Fisch schon gar nicht mehr. Es ist so kurzfristig dieses Denken. So kanns doch nicht gehen. Auch die Versiegelung des Bodens ist so dramatisch. Und ist er erstmal zubetoniert, brauchts Jahrzehnte ihn zu regenerieren. Auf der anderen Seite staune ich auch immer wieder, was aus den Straßenritzen so herauswächst. So gesehen ist die Natur doch oft stärker, als man meint.
    Also, auf die Brachen und deren Erhalt und einen guten Umgang mit unserer „Mutter Erde“ !!! Schön, daß du uns davon erzählst 🙂 Ganz herzliche Grüße, Almuth

    • Arletta Rusterholz sagt:

      Liebe Almuth! Hab allerherzlichsten Dank für Deinen ausführlichen Kommentar! Ich kann Dir in allem nur beipflichten. Auch mir bereitet das Verschwinden ökologischer Ausgleichsflächen echte Sorgen. Hier in der Umgebung immer wieder zu beobachten: es werden Bürohäuser hochgezogen, die nachher mindestens zur Hälfte leer stehen. Was bitte soll das? Warum nimmt man sich nicht mal Skandinavien zum Vorbild, dort wird vielerorts zu MINIMUM 40 Stellenprozenten vom Home-Office aus gearbeitet, ergo braucht es schon mal weniger Arbeitsplätze im wörtlichen Sinne, der Strassenverkehr wird dezimiert und damit die Umweltverschmutzung, es braucht weniger betreute Einrichtungen für Kinder und so weiter… Hierzulande geht es immer noch ums Prestige und dies voll auf Kosten der immer weniger werdenden Natur. Und wie Du so treffend schreibst: grüne Wüsten herrschen vor! Pflegeleicht und so weiter… Ach. Etwas Hoffnung gibt mir, dass der Botanische Garten nun mit verschiedenen Formen der Brachenbepflanzung experimentiert, Auswirkungen auf den Boden und Besiedlung mit Nützlingen untersucht etc, ich bin sehr gespannt darauf, und werde dies regelmässig dokumentieren. Auch bin ich daran, eine Seite eigens für das Thema Brachen zu erstellen, wer weiss, vielleicht schaut der eine oder andere Leser mal rein. Mit ganz lieben Grüssen, Arletta

  2. Almuth sagt:

    Ich bin gespannt auf deine kommende Dokumentation ! Liebe Grüße !

    • Arletta Rusterholz sagt:

      Vielen Dank, liebe Almuth! Ich frage mich, warum es dermassen wenig Literatur zu diesem Thema gibt. Interessiert sich tatsächlich kaum jemand noch für ökologische Ausgleichsflächen? Naja, mir scheint, als hätte ich hier ein Nischen-Thema gefunden 🙂 Mit lieben Grüssen, Arletta

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