Nähen: natürlich nur noch nachhaltig!

Warum liegt eigentlich heutzutage, wo einem Billigstkleidung aller Art überall nachgeschmissen wird, das Selbernähen so im Trend?

Ich mutmasse mal: in Zeiten der grenzenlosen Arbeitsentfremdung sehnt sich der Mensch danach, seine ureigenen Bedürfnisse nach Autonomie, direkt sichtbarer Produktivität und Kreativität auszuleben. Nähen nach eigenen Vorstellungen befreit und schafft auch Kompetenzen, schliesslich lernt man dabei viel über Farben, Trends, Materialien und deren Verarbeitung und bekommt somit auch einen Einblick, was mit dem Begriff „Produktionsbedingungen“ gemeint sein könnte. Die Faszination Modewelt, von der Idee über den Materialeinkauf bis hin zum hauseigenen Laufsteg, das hat schon was!

Hat Nähen auch etwas mit dem Wunsch nach einem nachhaltigeren Lebensstil zu tun? Meiner Meinung nach kann das sein, muss aber nicht. Ob diese bereichernde Tätigkeit „öko“ geprägt ist oder nicht, hängt nämlich davon ab, ob der Materialeinkauf (wenn denn überhaupt notwendig!) bewusst und ressourcenschonend getätigt wird oder nicht. Die relevanten Kriterien unterscheiden sich kaum von denen beim Kauf fertiger Kleidung und die Kernfragen, die letztendlich in erster Linie einer angestrebten Abfall- und Emissionsreduktion zugutekommen sollten, bleiben dieselben:

Benötige ich wirklich ein neues Kleidungsstück? Entspricht das Schnittmuster tatsächlich meinem Stil und werde ich das neue Teil viele Jahre gerne tragen? Liegen Stoffreste zuhause rum, die ich noch verwerten, recyceln oder abändern könnte? Wenn nicht, kaufe ich wirklich nur so viel Stoff, wie ich auch brauchen werde? Und wurde der neue Stoff mit möglichst naturbelassenen Fasern umweltschonend hergestellt? Wie steht es um die Qualität? Gute Qualität hat ihren Preis, hält aber Jahre und lässt sich gut recyceln! Wo wurde der Stoff produziert und wie steht es um die dortigen Arbeitsbedingungen? Was geschieht mit eventuellen Stoffresten, kann ich diese für kleinere Näharbeiten weiterverarbeiten oder hätte jemand anders Verwendung dafür? Übrigens: auch Knöpfe und aufgenähte Taschen lassen sich sehr gut wiederverwenden.

Wer selber näht, hat den Wunsch nach Authentizität und Dauerhaftigkeit. Routinierte DIY’lerinnen sehen mit ihrem Kennerblick einen Stapel Stoffreste durch und brainstormen: was kann ich daraus zaubern? Wer Stoff einkauft, sollte ein Auge auf zertifizierte „fair und öko“ Siegel haben. Dann steht dem Nähvergnügen nichts mehr im Wege!

Schöne, nachhaltig produzierte, GOTS-zertifizierte Stoffe, Knöpfe, Wolle, Garne sowie Nähzubehör habe ich hier entdeckt: STOFF & STIL

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