Neues von der Brache im Monat Oktober

Diesen Sommer über habe ich gar nie über die Brache berichtet, was nicht heisst, dass ich nicht regelmässig an ihr vorbeispaziert bin oder gar, dass sie mich nicht mehr interessiert, vielmehr verholzt sie nun einfach immer mehr, was typisch ist für mehrjährige Buntbrachen, und wirkt dadurch sehr gestrüppig und auch nicht mehr wirklich fotogen. Näher an die Pflanzen ran konnte und kann ich nicht, ohne die Brache zu betreten, was aufgrund der enormen Artenvielfalt an kleinen und kleinsten Tieren und Organismen, die sich dort angesiedelt haben, wirklich keinen Sinn macht.

Was mir heute aufgefallen ist: zwei Pflanzengattungen sind in diesem Herbst sehr dominant. Einerseits das Einjährige Rispengras (Poa annua). Wie die meisten Gräser ist auch diese zu den Süssgräsern gehörende Art rasenbildend; sie gehört einer sehr artenreichen Gattung an und ist blühend fast das ganze Jahr auf Brachen zu finden.

Andererseits auch der Weisse Gänsefuss (Chenopodium album). Das augenfälligste Merkmal dieser Art, gegenüber vielen anderen Gänsefussgewächsen, ist die auffallend weissmehlige Oberfläche der ganzen Pflanze. Zudem ist die Pflanzengrösse mit 20-200cm Wuchshöhe extrem variabel, was ebenso für die Blätter gilt, die verschiedenste Formen haben können. Die weissen Blüten entwickeln sich von Mai bis in den Herbst hinein.

Nun, da das Nahrungsangebot täglich knapper wird, dienen beide Pflanzen als wichtige Pollen- und Nektarquellen für die Insektenwelt, ein Grund weshalb Brachen – nebst ihrer Funktion für die Bodenruhe – ökologisch so immens wertvoll sind!

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6 Kommentare zu Neues von der Brache im Monat Oktober

  1. Liebe Arletta, auch wenn die Brache nicht mehr so fotogen ist, bietet sie doch ein tolles Naturschauspiel. Wir sind heuer leider nur sehr eingeschränkt zu Ausflügen in die Natur gekommen. Nächstes Jahr wird es aber bestimmt wieder besser.

    Das Buch wird Dir gefallen, ich war ganz begeistert. Die Tipps lassen sich gut umsetzen.

    LG Kathrin

    • Arletta sagt:

      Liebe Kathrin

      Ein Naturschauspiel bietet die Brache tatsächlich immer. Spannend finde ich es auch, die Augen zu schliessen und den vielen, vielen Tierstimmen zu lauschen.

      Dir drücke ich den Daumen, dass Du nächstes Jahr ganz viel nachholen kannst 🙂

      Mit lieben Grüssen,
      Arletta

  2. Almuth sagt:

    Liebe Arletta, kürzlich war ich schon versucht zu fragen, was die Brache macht. In wie fern verholzt sie denn ? Es scheinen doch noch alles Gräser und Sträucher zu sein oder fallen letztere schon unter das „Verholzen“ ? Interessant, wie sich diese Fläche entwickelt. Das Rispengras sieht einzeln ganz hübsch aus finde ich. Hier würde ich mich auch fragen, ob die Fläche dann nicht einfach in Rasen übergeht ? Aber all die anderen Blumen / Wildblumen kommen nächstes Jahr sicher wieder durch. Wie lange bleibt die Fläche denn noch ungenutzt (und wie lange liegt sie schon brach ?). Ich freue mich jedenfalls mit dir an den Brachen und bedaure, wie jedes Mal (?), daß von unseren Stadtbrachen beim derzeitigen Bauboom so gut wie nichts übrigbleibt. Bleibt zu hoffen, daß ein paar Industriebrachen bestehen bleiben, die mit ihrem Wildwuchs Lebensraum für Insekten und Co liefern. Auch Bahnhöfe und Gleisbette bieten glücklicherweise noch sowas wie wilde Siedlungslandschaften für Wildblumen. Mit erfreuten Grüßen aus dem windigen Norden, Almuth

    • Arletta sagt:

      Liebe Almuth

      In den ersten beiden Jahren blühte die Brache zu jeder Jahreszeit so „lieblich“ und schön bunt. Nun dominieren mehr und mehr spärlich blühende Sträucher, welche den kleineren Blumen das Licht nehmen. Gräser hingegen scheint das nicht zu beeindrucken und mich dünkt, dass zumindest ein Teil der Fläche tatsächlich in eine „normale“ Wiese übergeht, rundherum sind auch lauter Wiesen. Und der Rest der Brache sah im Sommer aus wie ein Dschungel und jetzt mit den mehr und mehr nackten Ästen sieht es richtig verholzt aus. Ich habe im Sommer mal Fotos gemacht, es sah darauf alles so unübersichtlich aus, ich konnte einzelne Pflanzen gar nicht erkennen vor lauter Blütengewimmel 🙂 Wie lange die Brache noch bestehen bleibt, weiss ich nicht. In den ersten beiden Jahren konnte ich auch noch näher ran an die Pflanzen, jetzt mit dem ganzen Geäst ist das unmöglich, was attraktive Fotos wirklich verhindert 🙂 Das ist hier auch so, dass Verkehrsinseln, Flächen rund um Supermärkte, Gleise und Bahnhöfe immer mehr zu wertvollen ökologischen Flächen werden, während zu vieles andere Bauten zum Opfer fällt. Mit lieben Grüssen aus dem ebenfalls windigen Süden,
      Arletta

  3. Almuth sagt:

    Die durchsetzungsstarken Pflanzen gewinnen. Das wäre ja schade, wenn dann nicht mehr so viel blüht, obwohl ich mir das kaum vorstellen kann. Auch bei dir bleibt und wird es spannend, wie sich diese Fläche im kommenden Jahr entwickelt. Ob es noch eine blühende Wiese bleibt oder langsam Buschland wird. – Ja, wer hätte gedacht, daß es mal soweit kommt, daß solche fast öden Ruderalflächen einmal so wertvoll sein würden. Der Gedanke, der mir immer etwas Hoffnung gibt, ist, daß Rhein und Elbe mal so verschmutzt waren, manche Seitenarme sogar tot waren und heute sind die Gewässer dank Naturschutz so sauber ! Dahinter stehen natürlich sprudelnde Quellen, die für neues Wasser sorgen können. Hoffen wir, daß wir auch an anderen Stellen die Weichen neu stellen können. Mit lieben Grüßen, Almuth

    • Arletta sagt:

      Liebe Almuth

      Ich habe doch tatsächlich noch ein interessantes Foto gefunden in meinem „Archiv“, was die Brache in ihrem diesjährigen Sommerkleid zeigt. Das hat mich grad so inspiriert, dass ich einen Beitrag erstellen werde, der die Brache 2016 und die Brache 2017 in Vergleichsmonaten zeigt 🙂 Die Unterschiede sind enorm 🙂 Genau, sie wird langsam zu Buschland. In der Tat, vieles ist besser geworden, die Wasserqualität und auch die Luft zum Beispiel. Aber was die Biodiversität anbelangt, da sieht es leider supersuperdüster aus. Ich hoffe, die Renaturierungsmassnahmen an einigen Stellen haben Vorbildcharakter.
      Mit lieben Grüssen zu Dir, Arletta

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