Textiles Detox

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Heute Morgen stand ich – wie so oft – vor dem Kleiderschrank und Ratlosigkeit machte sich breit.“ Was bloss soll ich denn heute wieder anziehen.“ Nicht, dass ich nichts hätte, das pure Gegenteil ist der Fall: der Kasten quillt über und ich habe vollkommen den Überblick über dessen Inhalt verloren. Ich entdecke manchmal Kleidungsstücke von deren Existenz ich nichts mehr wusste, geschweige denn wo, wann oder warum ich mir den Fummel angeschafft hatte. Und so manches was mir nicht mehr passt nicht mehr gefällt, wandert dann auch mal ziemlich schnell in den Altkleidersack. Schnäppchen hier, Schnäppchen dort, unverzichtbares Teil heute, farblich Cooles morgen… wie oft hätte ich das Geld dafür besser gleich im Klo runtergespült, was umweltverträglicher gewesen wäre als die Herstellung von Kleidung. Wobei wir bei meinem Lieblingsthema wären: der Nachhaltigkeit.

Die Herstellung von Kleidung, allem voran von billigst fabrizierter, stellt für die Umwelt eine grosse Belastung dar. Man denke nur an die dafür verwendeten gefährlichen Chemikalien: Farbstoffe, Färbebeschleuniger, Bleichmittel, Griffbarermacher, Antiknitterer, Glanzintensivierer, Lederschimmelverhinderer. Je billiger erworben, desto eher im Müll. 20 Kilogramm Textilien pro durchschnittlichem Europäer und Jahr. Baumwolle könnte zudem bald knapper werden und so auch das Erdöl (wird zur Herstellung von Polyester verwendet).

Natürlich findet sich auf dem Modemarkt auch biologisch Hergestelltes teilweise aus traditionellen Manufakturen, denen es wunderbar gelingt, ökologisch vertretbare Garderobe mit Ästhetik vereint herzustellen, doch liegen diese Teile preislich meist ausserhalb meiner Komfortzone.

Meine persönliche Konsequenz: ich werde mir ab heute und bis (mindestens) Ende 2017 kein einziges neues Kleidungsstück anschaffen. Und auch keine sonstigen Heimtextilien. Textilien-Detox. Erst wollte ich die Sache noch mit Ausnahmeklauseln ausstatten „was wenn mir etwas kaputtgeht?“. Naja. Ersatz ist doch genug da. Oder reparieren halt. „Was, wenn mich Queen Elizabeth II zum Tee lädt?“ Nun ja. Die Chance muss leider als gering eingestuft werden, denn ich würde mich mit der Dame durchaus gerne mal unterhalten und hoffe, dass sich ihr Gesundheitszustand bald wieder stabilisiert. Auch als überaus gering einzuschätzen ist die Eventualität, dass ich zum CEO eines multinationalen Grosskonzerns gewählt werde, in diesem Fall verzichte ich auf das Adverb „leider“. Der Grosskonzern sicher auch. Ein Ausspruch des Schriftstellers Henry David Thoreau gefällt mir in diesem Zusammenhang:

„Hüte dich vor allen Unternehmungen, die neue Kleider erfordern.“

Auch wenn meine bereits erbärmlich lange währende Hundelosigkeit in diesem Jahre hoffentlich endlich zu ihrem ersehnten Ende kommt:  allwetter, outdoor, atmungsaktiv, temperaturausgleichend, wasserabweisend, reiss- und bissfest, alles da. Siehe obiges Zitat von Mr. Thoreau. Tönt also nach einer durchaus sinnvollen Unternehmung.

Sollte ich mich nicht an die mit mir getroffene Detox-Vereinbarung halten, werde ich mich hier öffentlich outen. Dann wird die ganze Welt  werden viele von meinem ökologischen Versagen wissen. Drücken Sie mir den Daumen, dass es so weit nicht kommt. Danke.

Achso. Eine Ausnahme gestatte ich mir selber: Selbstgestricktes. Denn Stricken ist quasi zu meinem Zen geworden. Selbstgestricktes trage ich mit Stolz, egal wie selbstgestrickt es aussehen mag. Und das tut es wirklich unverkennbar. Einer meiner nächsten Beiträge auf diesem Blog wird übrigens von fair hergestellter und gehandelter Wolle handeln.

Die Ölindustrie verursacht die meisten Umweltprobleme. Auf Platz 2 folgt dann gleich die Bekleidungsindustrie! Warum ich das hier alles schreibe? Ich finde es wichtig, das eigene Genuss- und Konsumverhalten von Zeit zu Zeit mal unter die Lupe zu nehmen und hege immer noch die Hoffnung, wenn JEDER mit einem kleinen Schritt im Alltag in seinem persönlichen Rahmen dazu beiträgt den ökologischen Fussabdruck zu verringern, dann ist in der Summe viel Gutes getan.

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7 Kommentare zu Textiles Detox

  1. Giorgio sagt:

    Wow, das finde ich eine ganz tolle Idee. Ich werde das auch versuchen, zumindest im Gedanken. Allerdings brauche auch ich so eine Hintertür, wie Du; ich würde es mir doch erlauben, vielleicht mal etwas second hand zu kaufen. Das mache ich sowieso mit Oberbekleidung meist.
    Bei „Detox“ muss ich immer an die fast schönste Folge von „House MD“ denke, die diesen Titel trägt. Kennst Du sie? Sehr zu empfehlen, selbst, falls man House nicht mag und nicht gesehen hat. In der Anfangsseqenz aber wird auch deutlich, was Detox wirklich bedeutet: Drogenentzug. Sehr hart. Ich finde es gar nicht gut, dass heute alles Detox heist, und man den Bezug zu dem wirklichen Detox in der Suchtmedizin gar nicht mehr kennt. Entgiftung des Körpers, im normalen Sinne, ist auch weitgehend eine Illusion, auch, wenn etwa Fasten einfach eine superschöne Erfahrung ist, die ich nicht missen möchte. Aber, ich versuche schon seit Jahren, hinsichtlich der Verunklarung der Sprache zu „entgiften“ – was Du hier Detox nenne, würde ich erstmal einfach „Enthaltsamkeit“ nennen. Ich z.B. trinke in den ersten acht bis 12 Wochen jedes Jahres keinen Alkohol. Um immer wieder regelmäßig zu schauen, ob mir das leicht fällt (bisher mit Erfolg). Ich merke dann immer, dass es ohne Alkohol genauso schön ist, wie mit. Ich mag beide „Programme“, das mit und das ohne Alkohol, um mal ein Wort von dem Fastenarzt Lützner zu verwenden. „Abstinenz“ sage ich zu meinen Freunden, wenn ich ihren stauenden Gesichtern erläutern muss, dass ich gerade keinen Alkohol trinke.
    Herzliche Grüße, Liebe Arletta,
    Giorigo

  2. Arletta Rusterholz sagt:

    Herzlichen Dank, lieber Giorgio, für Deinen interessanten Kommentar! „House MD“ kenne ich leider überhaupt nicht. Die Verunklarung der Sprache ist ein Thema, das auch mich sehr anspricht, allerdings kämpfe ich dagegen überhaupt nicht, sondern sehe die Verwässerung oder Umdeutung einiger Begriffe ganz einfach als Entwicklung einer Sprache. Sucht nur auf die Einnahme von Substanzen zu reduzieren, damit bin ich nicht so einverstanden. Digital Detox ist ja auch so ein – im Grunde genommen – verwässerter Begriff und doch ist erwiesen, dass Menschen, denen man ihre digitale Welt wegnimmt unter veritablen körperlichen Entzugserscheinungen leiden. Nicht ganz so dramatisch wie auf einem „echten“ Drogenentzug freilich, aber immerhin. In Bezug auf Kleidung ist „Detox“ klar übertrieben, was die Kaufsucht und ihre Entzugserscheinungen anbelangt. Nicht so ganz aber, was die Sache mit den eingesetzten Chemikalien betrifft, die wir tagtäglich auf der Haut, unserem grössten Organ!, tragen. Die Auswirkungen diesbezüglich zu untersuchen, ist wiederum Gegenstand von Forschungen, die erst jetzt so langsam in die Gänge kommen, denn viele Allergien beispielsweise können tatsächlich auf das Tragen von bestimmter Kleidung reduziert werden und so weiter. Und ach, TeXtiles DetoX, dieser Titel hat doch auch was, nicht? Herzliche Grüsse sendet Dir, Arletta

    • Giorgio sagt:

      Liebe Arletta,
      digitale Kommunikation, ohne, dass man den anderen sieht oder hört, ist gar nicht so einfach. Ich habe ein wenig den Eindruck, dass Du meinen Kommentar entfernt als Kritik empfunden hast? Auch da kann ich mich irren. Falls es aber so war, sei versichert, dass ich nur versucht habe, für mich Assoziationen und Synonyme für das zu finden, was Du schreibst, und die mir zu passen schienen zu Deinen Ideen, die mich sehr angeregt haben!
      Nun aber möchte ich Deine Frage beantworten: „Was, wenn mich Queen Elizabeth II zum Tee lädt?“. Dann kleide Dich mit nicht neuer, sondern mit Kleidung, die würdevoll gealtert ist und ausgezeichnet gepflegt wurde! Dann, ich hatte bei Deiner Frage sofort die Assoziation mit einem Photo eines 40 (!) Jahre alten SCHUHS von Prince Charles, Elisabeths Sohn! Der Schuh ist wunderbar poliert, und zeigt zugleich deutlich zwei ovale Reparaturen, in der Form genau so, wie diese länglichen und abgerundeten Fahrradtschlauchreparaturaufkleber. Hier der Artikel über diesen Schuh mit dem Bild:
      http://the-shoe-aristocat.blogspot.de/2012/04/hrh-prince-charles-and-his-old-bespoke.html
      Und hier der eigentlich genauere französische Artikel, auf dem der englische basiert: http://redingote.fr/breves/les-chaussures-du-prince-charles
      Also, das englische Königshaus ist immer darauf bedacht, nicht reich oder gar verschwenderisch zu wirken. Die konstante Pflege aller ihrer Besitztümer, dabei weniger der Neukauf, gehört seit einer ganzen Weile dazu. Elisabeth wird also großes Verständnis für dein „TeXtile DetoX“ haben!
      Herzlich Giorgio

  3. Arletta Rusterholz sagt:

    Lieber Giorgio! Ausnahmsweise irrst Du gewaltig, ich habe Deinen interessanten Kommentar nicht im Entferntesten als Kritik aufgefasst, sondern als äusserst anregend und – an und für sich – sogar durchaus einer vertieften Diskussion würdig empfunden! Danke für Deine Kleidungstips, nun kann ja nichts mehr schiefgehen beim Tee mit der Queen. Du hast natürlich absolut recht, was den Stil des Königshauses angeht (man sieht, ich habe Buckingham bislang nur von aussen gesehen). Übrigens bewundere ich seit vielen, vielen Jahren die Bestrebungen von Prince Charles: über seine Methoden zur Bewirtschaftung der phantastischen Highgrove Gardens mit ausschliesslich Ökologischem und Nachhaltigem gibt es ja sogar einen sehr sehenswerten Dokumentarfilm. Pferde- und Hundenarren sind so ziemlich alle Mitglieder der royalen Familie. Man könnte sagen, das englische Königshaus und ich, wir sind auf einer Linie. Zumindest ansatzweise *hüstel*. Mit augenzwinkernden und lieben Grüssen, Arletta

  4. Almuth sagt:

    Dazu fällt mir noch mal ein, daß ich mal gehört habe, daß Charles seine Jacken, Hosen etc. auch flicken läßt. Sowas ist heute doch vielfach außer Mode gekommen, weil billig neu kaufen einfacher und bequemer ist. Ich stopfe immer noch meine Strümpfe. Die meisten jedenfalls. Ich kenne aber einige Leute, die das nicht mehr tun. Wir leben echt im Überfluß. Ich kaufe nicht viel, aber ich finde deinen Artikel eine gute Anregung, vorher noch mal drüber nachzudenken, brauche ich wirklich was Neues, sei es Kleidung oder Küchengeräte oder was auch immer. Ich hab auch schon Küchenhelfer second hand gekauft. Super Sachen !! Es gibt ja auch schon Kleidertauschbörsen, wenn ich mich nicht irre. Viele Möglichkeiten. Guter Artikel jedenfalls !!

  5. Arletta Rusterholz sagt:

    Danke für Deinen Kommentar, liebe Almuth! Du hast natürlich recht, es gibt noch andere Bereiche als nur Kleidung, auf die man so einen „Detox“ übertragen könnte, ich werde darauf sicher auch noch zu sprechen bzw zu schreiben kommen. Ich bin sicher, vieles, was wir in unserem Konsumrausch einfach mal so schnell entsorgen und ersetzen, könnte weitergegeben oder instandgestellt werden. Das Müllproblem ist ja gewaltig mittlerweile und das ist schon ein direktes Resultat unseres Konsumverhaltens denke ich mal. Es ist ein heller Wahnsinn, was an Geldwert in die Tonne gekloppt wird. Immer kaufen, ist doch auch langweilig. Viel spannender ist es doch, Dingen wieder einen Wert zu geben, die andere als Müll betrachten. Das macht auch noch richtig Spass. Liebe Grüsse, Arletta

  6. Almuth sagt:

    So kann mans auch sehen 🙂 Blöd ist natürlich die Entwicklung, daß es sich nicht mehr lohnt, einen Drucker reparieren zu lassen, weil der Neukauf billiger ist. Aber wir konzentrieren uns jetzt lieber mal auf das Positive, was man machen kann und wie du sagst, gibts da sicher viiiele Möglichkeiten, die Spaß machen !! Liebe Grüße, Almuth

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