Urban Gardening

Posted on Mrz 25, 2018 in Urban farming, Wohlbefinden

Die Schweizerische  Coop Zeitung hatte in ihrer ersten Ausgabe dieses Jahres das Thema „Leben morgen“ im Fokus. Unser Leben in der Schweiz in 20 Jahren, wie wird es aussehen? Eine der Zukunftsprognosen möchte ich für diesen Blogbeitrag aufgreifen:

„Die Landwirtschaft erobert die Zentren und die Städte werden dadurch sehr grün. Die Dächer der Gebäude entwickeln sich zu Gemüsegärten. Wie alle ihre Freundinnen hat auch die fiktive Hauptperson des Artikels einen kleinen Garten auf dem Balkon. Dort baut sie ihr eigenes Bio-Gemüse an.“

Immer mehr kann ich die Tendenz zum Urban Gardening auf Balkon und Terrasse auch in meinem eigenen Umfeld beobachten. Die Wachstumszyklen von Pflanzen zu erleben, das eigene Ernteerlebnis zu zelebrieren, das scheint trendy zu sein. Ich habe mal versucht, meine Gedanken zu diesem Thema zusammenzufassen:

Was direkt vom Balkon oder aus dem Garten auf den Teller kommt, benötigt keinen Transport, keine aufwändigen Verpackungen, die nachher entsorgt werden müssen, keine Pestizide und viel weniger Düngemittel. Abfälle gibt es kaum. Was unreif geerntet, um die Welt gekarrt, -zig mal gespritzt, vakuumiert und schliesslich für Tage im Ladenregal vor sich hergammelt, kann weder mit der Frische noch mit dem Aroma von Selbstgeerntetem mithalten. Und schliesslich ist Urban Gardening ein erfüllendes Hobby, verschafft einen anderen Zugang zu Lebensmitteln und führt ein grosses Stück zurück zur Natur und zu den Ursprüngen des Menschen als Selbstversorger. Den gesundheitlichen Aspekt möchte ich auch nicht ausser Acht lassen, denn wie heisst es: man ist, was man isst!

Die Konsumgesellschaft ist total aus den Fugen geraten. Etwas selber machen, experimentieren, sich mit Gleichgesinnten austauschen, damit kann jeder etwas im Kleinen bewirken. Vor Jahren hätte ich nicht mal daran gedacht, eines Tages selber Nutzpflanzen zu ziehen. Heute macht mich die Ernte vom eigenen Balkon stolz und glücklich. Und nie im Leben hätte ich gedacht, wie viel Ertrag man auf relativ wenig Platz generieren kann. Selber gezogene und gepflegte Pflanzen zu essen, nicht mehr länger nur Konsumentin zu sein, das fühlt sich für mich persönlich wahnsinnig gut an.

Vom Ideellen mal weg zur Frage nach dem Materiellen: alles, was nicht gekauft werden muss, bringt eine Ersparnis. Ganz besonders gilt das für diejenigen Pflanzen mit den hohen Erträgen. Ich denke da an den Kohlrabi oder die Erdbeeren und später im Jahr dann die kleinen Haselsträucher, die erstaunlich viele Nüsse liefern. Dasselbe gilt für Delikatessen: wenn diese überhaupt zu finden sind in auserwählten Geschäften, dann garantiert zu hohen Preisen. Hirschhornsalat und meine Cassis-Beeren kommen mir da in den Sinn. Hinzu kommt hier noch, dass unsere Tiere die Blätter der angebauten Kulturen bedenkenlos fressen dürfen und die zahlreichen Beikräuter für sie eine wertvolle Kost sind, also bei den Tieren gleich nochmals Geld gespart! Wenn ich daran denke, was ich früher teilweise direkt nach dem Kauf wegwerfen musste, da welk oder verdorben oder sonstwie ungeniessbar. Schade um’s Geld. Und schlecht für die Umwelt. Ein Drittel aller angebauten Lebensmittel wird weggeworfen. Was für eine Verschwendung wertvoller Ressourcen!

Wie seht Ihr diese Entwicklung? Fühlt Ihr Urban Gardeners Euch als Exoten oder habt Ihr auch das Gefühl, dass sich immer mehr Menschen nach einem Leben als Selbstversorger sehnen und ihre noch so spärlichen Möglichkeiten nutzen, um diesen Wunsch in die Tat umzusetzen?

4 thoughts

  1. Liebe Arletta, ich staune und bewundere, was du auf deinem Balkon alles an Obst und Gemüse ziehst! Das ist sicherlich toll, auf so eine eigene Ernte zurückgreifen zu können. Auf Früchte, eigene Nüsse, die dann noch so wunderbar schmecken (mir läuft das Wasser im Mund zusammen, hihi). Ich hatte früher mal 6 Sträucher mit Cocktailtomaten, die die tollsten Früchte lieferten. Sie waren so aromatisch, wie ich sie bei gekauften Sorten noch nicht erlebt hatte. Als ich Suppe daraus kochte, hatte man das Gefühl, es wäre Zucker dran, so süß waren die Früchte! Mir war es dann auf dem Südbalkon mit 6 Pflanzen zu viel Arbeit, so daß ich es nicht mehr wiederholt habe. Ach ja, und einmal habe ich mit einer Freundin zusammen eine Kartoffel in einem Balkonkasten gezogen. Hat ebenfalls super geklappt und war lecker 🙂 Heute habe ich einen anderen Schwerpunkt und bedaure, daß der Balkon nicht mitwächst (du kennst das Problem ;-).

    Ich hoffe sehr, daß der Trend des Urban Gardening zunimmt und noch mehr Menschen anfangen, sich der Natur auf diese Weise zu nähern. Die Vorteile, die es mit sich bringt, sprechen eindeutig für sich. Man lernt auch zu schätzen, was für eine Pflege und Fürsorge in der Aufzucht von Pflanzen steckt. Und ist dann stolz, wenn man die ersten Früchte oder Salatblätter ernten kann 🙂 Auch der Wert für die Natur, für Insekten und Vögel ist nicht zu unterschätzen denke ich. Du hast ja davon berichtet, was an deinem Kohlrabi und Raps los war!!
    Mich würde jetzt noch interessieren, wieviel du erntest bzw. wie lange du von allem zehren kannst. Hast du nachwachsenden Salat oder wieviele Nüsse wirft so eine kleine Hasel ab? Oder wieviel Cassis erntest du? Und der Kohlrabi? Ist das ein Kopf oder zwei?
    Mit lieben Grüßen vom Insektenbalkon, Almuth

    Antworten

    1. Arletta

      27. März 2018

      Liebe Almuth! Ich danke Dir herzlich, dass Du von Deinen Erfahrungen und Einschätzungen berichtest 🙂 Die Sache mit dem Setzen eines Schwerpunktes trifft genau des Pudels Kern 🙂 denn ja, der Platz wächst leider nicht mit. Ich glaube, ich bin jetzt auch an dem Punkt angelangt, an dem ich gar nicht mehr weiter optimieren kann oder anders gesagt: jedes Fleckchen wird produktiv genutzt. Was fast vollkommen auf der Strecke bleibt leider, das sind Blumen. Gut, irgendwas blüht hier ja immer und sei es nur der Raps oder das Ruprechtskraut. Aber so ein schöner Insektenbalkon, wie Du ihn hast, von dem kann ich nur träumen 🙂
      Deine Frage nach den Mengen, die ich hier so ernte, kann ich gar nicht mal so einfach beantworten, denn vieles kommt frisch vom Strauch gleich in den Topf oder in die Müslischale. Gerade die Johannisbeeren oder die Erdbeeren sind nie alle gleichzeitig reif, so kann ich jeden Tag pflücken und gleich verwerten. Der kleine Birnbaum hat wahnsinnig viel Früchte produziert, aber die Birnen waren alle recht klein (aber lecker!). Beim Salat – zur Hauptsache baue ich Mangold an – ernte ich jeweils nur die äusseren Blätter, die wachsen dann gleich wieder nach. Die vier Haselsträucher haben einen mittelgrossen Korb Haselnüsse geliefert, auch Nüsse lassen sich ja ein wenig lagern. Ich schaue, dass alles etwas gestaffelt reif wird 🙂 Dieses Jahr werde ich die Sache mit dem Urban Gardening definitiv viel mehr dokumentieren, auch was das alles so an Ernte abwirft. Denn ich möchte meinen Blog zunehmend als „day-to-day-journal“ nutzen, die Ernte ist da ein nicht unwichtiges Kapitel 🙂
      Mit lieben Grüssen vom momentan-noch-Vogelbalkon zu Dir auf den Insektenbalkon, Arletta

      Antworten

  2. Eine kontinuierliche Balkonverpflegung ist doch noch schöner, als wenn man alles auf einmal ernten würde. 4 Haselsträucher – wow! Werden die nicht ganz schön groß oder machst du die ein bißchen zu Bonsais 😉 ?? Birnen kann ich mir fast nicht vorstellen. Wie toll ist das denn! Das glaube ich gerne, daß die lecker schmecken. Bestimmt besser, als aus dem Handel. Da würden mich direkt Aprikosen reizen, ohlala 🙂 Monatserdbeeren hatte ich auch mal, aber irgendwann muß man die ja erneuern und daß habe ich dann nicht gemacht. Mangold klingt auch gut. Und da kann man immer was von außen abschneiden und der Rest wächst weiter? Sicher auch lecker. Ach ja, es gibt so viele Möglichkeite. An Rucola dachte ich auch schon mal. Tja, man könnte jedes Jahr ein neues Konzept haben, aber bei den vielen Stauden etwas schwierig.

    Bei mir sind zur Zeit auch ein paar Pflänzlein verschollen oder leben vielleicht nicht mehr. Platz für Neues….ich bin gespannt, wie es weitergeht und freue mich dann auf deine Erntetagebücher 🙂 Vielleicht laß ich mich doch noch mal hinreißen, lach! Mit lieben Grüßen vom Blumenbalkon zum ObstundGemüsebalkon 🙂 Almuth

    Antworten

    1. Arletta

      27. März 2018

      Platz für Neues? Das tönt gut 🙂 Die Sache mit diesen Fruchtbäumen ist ja die, dass das entweder Zwergzüchtungen sind oder – im Falle des Apfelbaumes – sogar sogenannte Säulen-Bäume. Also ideal für grosse Töpfe, da die gar nie so wahnsinnig gross werden. Einen Zwerg-Aprikosenbaum hatte ich mir letzten Herbst noch gegönnt 🙂 ich mal gespannt, ob der sich auch so gut macht 🙂 Haselsträucher können tatsächlich zum Problem werden nach einigen Jahren. Irgendwann reicht denen so ein Topf dann einfach nicht mehr. Ich schneide die immer etwas in Form und schau einfach mal, wie lange es ihnen hier wohl ist 🙂 Rucola… da bringst Du mich direkt auf eine Idee 🙂 Das ist mein Lieblingssalat und wenn man den kauft, dann ist er oft nicht wirklich so erntefrisch wie ich mir das vorstelle… hmmm… Rucola 🙂 ich werde berichten 🙂
      Mit lieben Grüssen vom immer kleiner werdenden Balkon, Arletta

      Antworten