Vom Parkplatz zum Flachmoor

Waren es letztes Jahr Brachen, die mein besonderes Interesse erweckten, sind es dieses Jahr Flachmoore, denen ich mehr Aufmerksamkeit schenken möchte. Die beiden Themen sind gar nicht mal so unterschiedlich, denn auch renaturierte Flachmoore entstehen hier oft auf brachliegenden Flächen in Gewässernähe. Bedeckten Riedlandschaften einst noch grosse Teile des Schweizer Mittellandes – unzählige Flurnamen zeugen davon – ist dieser Landschaftstyp immer seltener geworden. Die meisten Flachmoorgebiete wurden im vergangenen Jahrhundert trocken gelegt, entweder um sie intensiver bewirtschaften zu können oder um Bauland zu gewinnen.

Auch die Flachmoorflächen am Greifensee sind im 20. Jahrhundert stark zurückgegangen. Dennoch gehören die Moore am oberen und unteren Greifensee zu den grössten zusammenhängenden Riedflächen im Kanton Zürich. Dadurch wird die Bedeutung des Greifensee-Schutzgebietes ersichtlich, denn nur auf grossflächigen Flachmoorlandschaften haben seltene Vögel und Amphibien ausreichend Platz um zu brüten. Was das Ried als Lebensraum so wertvoll macht, ist seine grosse Artenvielfalt. Hier finden sich nebst ökologisch wertvollen Pflanzen sogar seltene Libellenarten.

Die regenerierte Fläche, die ich hier dokumentiere, war früher ein Parkplatz. Das wieder entstandene Moor grenzt an ein bereits vor 20 Jahren renaturiertes Ried und stellt deshalb eine wichtige Ergänzung zu den bereits erfolgten Naturschutzmassnahmen dar. Für die Renaturierung mussten frühere Aufschüttungen abgetragen und typische Pflanzen der Flachmoorwiesen angesät werden. Bodenkundliche Abklärungen hatten gezeigt, dass es sich bei den Aufschüttungen um unproblematischen Bodenaushub handelte, welcher dort vor Jahren abgelagert worden war und nun einem anderen Verwendungszweck zugeführt werden konnte. Somit konnten sehr gute Voraussetzungen für die Wiederherstellung der ursprünglichen Riedvegetation geschaffen werden. Da Flachmoorregenerationen in dieser Dimension nur noch an wenigen Orten möglich sind, wurde das Projekt von Bund und Kanton begrüsst und sogar finanziell unterstützt.

Bereits knapp zwei Jahre nach Beginn der Umgestaltung vom ehemaligen Parkplatz zum Flachmoor bildeten sich auf den wechseltrockenen Stellen die typischen Riedwiesen! Das sind gelungene Massnahmen zur Renaturierung, die nicht nur den Lebensraum für Amphibien, diverse Vogelarten, Säugetiere und Insekten vergrössern, sondern auch die Natur für Erholungssuchende erlebbar machen. Zusätzliche Aufwertungsmassnahmen in Form von Holzstegen, Orientierungstafeln  oder Beobachtungstürmen fördern zudem das Naturwissen. Was mich besonders freut: die Renaturierung des Flachmoors an dieser Stelle des Greifensees bleibt kein Einzelfall; bereits steht ein weiteres Projekt dieser Art zur Renaturierung einer Fabrikbrache kurz vor der Umsetzung und auch am oberen Zürichsee entsteht wieder ein Flachmoor auf einem ehemaligen Fabrikgelände.  Das sind erfreuliche Entwicklungen und ich freue mich darauf, weiter über diese schönen Landschaften zu berichten ♥

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4 Kommentare zu Vom Parkplatz zum Flachmoor

  1. Liebe Arletta, vielen Dank für diesen tollen Beitrag. Wir haben auch ein renaturiertes Moor in der Nähe und ich genieße die Ausflüge dorthin jedes Mal auf’s Neue. Eine Moorlandschaft ist einfach spannend. Bei uns schließt das Moor an den Wallersee an.

    LG Kathrin

    • Arletta sagt:

      Herzlichen Dank, liebe Kathrin! Ich muss ehrlich gestehen, bevor ich anfing, mich etwas näher mit Moorlandschaften zu befassen, habe ich gar nicht realisiert, wo es die überall gibt hier und was es dort zu sehen gibt 🙂 Teilweise sind das auch recht kleine, überschaubare Gebiete, und die Vegetation variiert auch sehr von Moor zu Moor. Genau wie Du es sagst: Moorlandschaften sind spannend! Mit ganz lieben Grüssen zu Dir, Arletta

  2. Almuth sagt:

    Liebe Arletta, das sind traumhafte Bilder einer schönen Landschaft zu einem tollen Projekt. Wie schön, daß das zunehmend gemacht und die Gebiete vergrößert werden. Ich mag Moore sehr (auch wenn mir der wabernde Untergrund schon mal unheimlich ist) und kann mich nur anschließen: faszinierende Landschaften sind das. Und wie wohlklingend, wenn man hört, daß aus einem „Parkplatz“ wieder eine Naturlandschaft wird. Da kann man doch nur sagen, weiter so :-)!!! Und deine Fotos sind wunderschön dazu. Zu den Fabrikbrachen will ich schon seit einiger Zeit was schreiben, wenn auch in einem etwas anderen Zusammenhang, aber das wird wohl noch etwas dauern. Dann bin ich gespannt, was du in Zukunft noch vom Moor berichten wirst 🙂 Liebe Grüße, Almuth

    • Arletta sagt:

      Herzlichen Dank, liebe Almuth 🙂 Leider gibt es in Sachen Umwelt nicht viel Erfreuliches zu berichten in der Regel. Ich stürze mich jeweils mit Begeisterung auf Projekte, die doch mal ausnahmsweise in den Bereich POSITIVES fallen 🙂 und hoffe, dass alles, was zugunsten der Natur geschieht auch eine gewisse Vorbildfunktion annimmt… Ich bin sehr gespannt auf Deinen Beitrag über Fabrikbrachen 🙂 Mit lieben Grüssen aus der sonnigen und frühlingshaft warmen Schweiz, Arletta

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