Weiss macht das Leben bunt

Schneereiche Winter sind hier eindeutig seltener geworden. Leider. Gerade deshalb scheint es niemanden kalt zu lassen, wenn Hügel und Bäume in ein weisses Winterkleid getaucht werden. Einige Menschen beklagen sich zwar oder verlassen gar das Land den Winter über präventiv, andere verkriechen sich zu Hause. Aber für viele werden auch Kindheitserinnerungen wach. Denn Schnee, das bedeutete Spass und regelmässig jeden Winter die geschlossene Schule, weil kein Bus mehr fuhr und schon gar kein Auto. Stattdessen gehörte die Strasse für einmal den Langlaufskis und den Schlitten. Ich glaube, es sind genau diese Erinnerungen, die längst erwachsene Leute wieder zu Kindern machen. Ein unbändiger Spieltrieb tritt an die Stelle angestauter Hemmungen. Jemandem etwas nachwerfen? Ja, das darf man, solange es sich beim Wurfgeschoss um einen frischen, weichen Schneeball handelt 🙂

Der erste Schnee der Saison ist immer wieder eine kleinere Sensation. Stadtmenschen pilgern so schnell wie möglich in die Berge oder zu den nahegelegenen Hügeln während Landmenschen aus dem Fenster staunen, in Bewunderung für diese über Nacht ganz unmerklich entstandene weisse Landschaft, die aussieht, als sei sie direkt den Chroniken von Narnia entsprungen.

Seit es Apps gibt, bin ich regelrecht versessen auf diese Wetter-App, aktualisiere sie auch ständig, denn ich muss unbedingt wissen, wann es am stärksten schneit. Und bin ehrlich enttäuscht, wenn die Wetterfrösche sich doch einmal mehr nur geirrt haben.

Was hat es auf sich mit dem Schnee, warum fasziniert er so?

Ja, es gibt sie, die Schönheit in jeder Wetterlage, aber nichts ist zu vergleichen mit der Magie einer in weiss getauchten Landschaft. Wenn grosse Flocken mit tänzerischer Leichtigkeit unbeschwert vom Himmel schweben, dann hat das etwas höchst Meditatives. Dieses Schneeweisse, das verschafft Klarheit und die geschlossene Schneedecke erlaubt – oder zwingt! – uns endlich, alles in einem gedämpfteren Tempo anzugehen.

Einmal musste ich nach einem fröhlichen Abend in der grossen Stadt nach der Rückreise mit dem Zug vom Bahnhof in unserem kleinen Ort bis zu uns nach Hause laufen statt bequem mit dem Bus zu fahren, weil auf der Strasse wortwörtlich nichts mehr lief. Kein Asphalt war mehr zu sehen. Verschluckt vom Schneegestöber. Und kalt war’s. Und weit. Und spät. Und eigentlich voll nervig. Aber schliesslich war dieses Abenteuer ja dem epischen Schneefall geschuldet und somit war das doch eher anstrengende Gestapfe durch den Tiefschnee mit nicht wirklich passendem Schuhwerk einfach nur lustig.

Der schöne Schnee ist mittlerweile geschmolzen und die Erinnerung an die märchenhafte Winterlandschaft beginnt zu verblassen. Geblieben ist die Sehnsucht nach den Wintern unserer Kindheit. Denn ohne Schnee ist’s einfach nur grau, langweilig und irgendwie ziemlich trübselig.

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4 Kommentare zu Weiss macht das Leben bunt

  1. Liebe Arletta, wir hatten letztes Jahr so einen märchenhaften Winter wie aus Kindertagen. Heuer schaut es allerdings sehr mau aus. Der Schnee ist nicht liegen geblieben und nun ist es einfach nur grauslig an den meisten Tagen. Kein Schnee, keine Sonne, dafür viel Braun und Grau. Mir wäre ein richtiger Winter auch lieber. Aber leider haben sich die Wetterfrösche heuer schon sehr oft geirrt.

    LG Kathrin

    • Arletta sagt:

      Liebe Kathrin, noch ist der Winter ja nicht vorbei 🙂 Der diesjährige ist allerdings auch hier genau so wie Du beschreibst: grauslig meist. Vor ein paar Jahren hatten wir hier über Monate mal eine geschlossene Schneedecke und es war auch richtig winterlich kalt, mag mich aber nicht mal mehr genau daran erinnern, wann das war…
      Mit lieben Grüssen zu Dir,
      Arletta

  2. Almuth sagt:

    Liebe Arletta, das sind traumhafte Bilder einer märchenhaften Landschaft. Gerade auf den Tannen sieht der Schnee so zauberhaft aus und auch der Bach windet sich so wunderschön durch die Schneelandschaft. Hach, ich schmelze dahin!! Zauberhafte Fotos!!! Herzliche Grüße vom nassen Sturmbalkon – es geht schon wieder los, seufz…Almuth

    • Arletta sagt:

      Herzlichen Dank, liebe Almuth, für die schönen Komplimente zu meinen Fotos 🙂 Da hatte ich wirklich mal das Glück, dass ich die frisch verschneite Landschaft gleich vor der Haustüre ablichten konnte, denn nur ein paar Stunden später sah es bereits wieder alles andere als schön aus 🙂 Oh ja, hier ist mittlerweile auch wieder der Sturmbalkon aktuell 🙁
      Mit lieben Grüssen zu Dir,
      Arletta

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